Stern 111

Stern 111

Roman

Inhalt

Zwei Tage nach dem Fall der Mauer verlassen Inge und Walter Bischoff ihr altes Leben – die Wohnung, den Garten, ihre Arbeit und das Land. Ihre Reise führt die beiden Fünfzigjährigen weit hinaus: Über Notaufnahmelager und Durchgangswohnheime folgen sie einem lange gehegten Traum, einem »Lebensgeheimnis«, von dem selbst ihr Sohn Carl nichts weiß. Carl wiederum, der den Auftrag verweigert, das elterliche Erbe zu übernehmen, flieht nach Berlin. Er lebt auf der Straße, bis er in den Kreis des »klugen Rudels« aufgenommen wird, einer Gruppe junger Frauen und Männer, die dunkle Geschäfte, einen Guerillakampf um leerstehende Häuser und die Kellerkneipe Assel betreibt. Im U-Boot der Assel schlingert Carl durch das archaische Chaos der Nachwendezeit, immer in der Hoffnung, Effi wiederzusehen, »die einzige Frau, in die er je verliebt gewesen war«.

Ein Panorama der ersten Nachwendejahre in Ost und West: Nach dem mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Bestseller Kruso führt Lutz Seiler die Geschichte in zwei großen Erzählbögen fort – in einem Roadtrip, der seine Bahn um den halben Erdball zieht, und in einem Berlin-Roman, der uns die ersten Tage einer neuen Welt vor Augen führt. Und ganz nebenbei wird die Geschichte einer Familie erzählt, die der Herbst 89 sprengt und die nun versuchen muss, neu zueinander zu finden.

Platz 1 SWR-Bestenliste im April 2020

Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste (13. bis 17. Woche 2020)

Preis der Leipziger Buchmesse für »Stern 111«

Aus der Laudatio der Jury

»Dieser Roman leuchtet auf jeder Seite, und das mit menschenfreundlichem Humor. Die Milchstraße wird ziegengemacht, in jeder schnell errichteten Mauer krabbeln die Asseln der Schwellenzeiten, unter dem Schimmel der uralten Konserven lauert rätselhafte Süße. In Lutz Seiler kunstvollem Roman wird groß und genau die Neuordnung der Dinge in einem plötzlich regellosen Raum beschrieben, und das in der Verquickung von Geschichtsschreibung und Privatmärchen. Auf die Zeitläufe legt der Autor eine sinnliche Zeitschreibung: die eines werdenden Dichters und jungen Mannes, der sich elternlos finden muss, sich auf den Weg macht in ein poetisches Dasein. Nicht zuletzt erzählt „Stern 111“ – ohne die Geste des „Wenderomans“ bemühen zu müssen – vom sich binnen kurzem veränderndem Herzschlag der Mitte Berlins, erst kommen die Künstler und Maurer, dann die Prostituierten, die Touristen. Während die Älteren die Welt entdecken.«
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Bibliografische Angaben

Gebunden
Erschienen am: 02.03.2020
Suhrkamp
528 Seiten
ISBN 978-3-518-42925-9

Buch im Suhrkamp Verlag
Leseprobe
Werkstatt-Beitrag zu »Stern 111«
Hörbuch im Audio Verlag

Aus dem Buch

»Als er den Wagen startete, begann das Winken, seine Eltern winkten, und als er losfuhr, winkten sie noch immer, und auch im Rückspiegel sah Carl sie noch winken, und er winkte ebenfalls, seitlich zum Fenster hinaus, mit ausgestrecktem Arm, wobei sein Pullover nass wurde vom Regen. Winken, so lange, bis der andere verschwunden ist und am besten noch ein wenig darüber hinaus – so war es Tradition in ihrer Familie. Später, im Traum, sah Carl sie alle noch einmal dort stehen, winkend, seine Eltern an ihrem und er an seinem Platz, schon weit voneinander entfernt und jeder in seinem eigenen Leben. ›Unsere Eltern sollen es einmal besser haben.‹ Etwas stimmte nicht mit diesem Satz.«

»Er stand jetzt gut. Den Horizont vor Augen und einen feinen Sandschlamm zwischen den Zehen. Er summte leise in die Brandung, ›Love, love me do‹, er schwankte ganz leicht, im Takt der Gezeiten. War es nicht wunderbar, allein zu sein?«

Video

Mit Lutz Seiler an Schauplätzen seines neuen Romans »Stern 111«
Videorechte: © Suhrkamp Verlag

Pressestimmen

»Lutz Seiler erreicht hier das Niveau eines Thomas Pynchon. … Das ist atmoshphärereiche, wirkliche Weltliteratur. Weltliteratur ist ja das, was mich die Welt mit anderen Augen wahrnehmen lässt, was mir ein Stück von der Welt zeigt, wie ich es bisher noch nicht gesehen habe. Und das kann Seiler in Stern 111.«
Denis Scheck, SWR lesenswert

»Die Stunde der Literatur schlägt bekanntlich erst dann, wenn die Gegenwart sich längst erledigt hat. Das zeigt, mit dem Abstand von 30 Jahren, die Zeitmarke 1989/90: Über Jahre hinweg erwartete die literarische Öffentlichkeit dringend den Wenderoman … Am Ende zeigt sich, dass Lutz Seiler mit ›Stern 111‹ und 30 Jahren Abstand den Roman geschrieben hat, den damals alle wollten, während das Etikett selbst erfreulich unwichtig geworden ist.«
Marc Reichwein, Die Welt

»Lutz Seiler ist nun schon zum zweiten Mal etwas sehr Außergewöhnliches gelungen: nämlich in einem im besten Sinne ›massentauglichen‹ Roman davon zu erzählen, wie man das poetische Dasein wirklich führt, eine so euphorische wie grausame Angelegenheit.«
Jan Wiele, Frankfurter Allgemeine Zeitung

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